Flexibel um jeden Preis

Autoflotte Ausgabe Juli 2012

Interimsmobilität | Sie ist teurer als Leasing, die Autos sind standardisierter und nicht individuell konfiguriert. Dennoch boomt die Langzeitmiete und die Firmen sind bereit, für das Plus an Flexibilität mehr zu zahlen.

Foto: Philip Kneissler (Geschäftsführer belmoto GmbH)

Ist es die Eurokrise, die Unternehmen dazu veranlasst, sich auch bei Mobilität nicht langfristig finanziell zu binden? Oder nehmen die kurzfristigen Projekte, für die Fahrzeuge benötigt werden, zu? Oder liegt es an den langen Lieferzeiten der Automobilhersteller? Die Gründe, vorübergehend Mietfahrzeuge im Fuhrpark aufzunehmen, können vielseitig sein. Doch einig sind sich fast alle Anbieter, die mit dem Geschäft zu tun haben: Die Miete gewinnt gegenüber Leasing oder Kauf an Attraktivität, die Nachfrage steigt deutlich.

Athlon Car Rent Germany, Tochterunternehmen von Athlon Car Lease Germany, hat im ersten Quartal 2012 so viele Autos wie noch nie vermietet und wird den Flottenbestand in diesem Jahr auf über 1.000 Einheiten ausbauen: „Wir erwarten ein Absatzplus von über 30 Prozent“, sagt Rainer Thies, Leiter Remarketing und Rental Business, ohne jedoch absolute Zahlen zu verraten.

Auslöser Finanzkrise | Begonnen habe der Run auf die Mietfahrzeuge Athlon zufolge in der Finanzmarktkrise, weil Unternehmen finanziell flexibel bleiben wollten. Ein Ende des Booms sei nicht in Sicht. Unternehmen wollten nach wie vor ihre Fixkosten herunterfahren, so der Anbieter aus Meerbusch bei Düsseldorf.

Die Unsicherheit wegen der immer weiter ausufernden Eurokrise verstärke den Trend: „Langzeitmiete ist eine Ergänzung zum Leasing bei weniger Vertrags- oder Kapitalbindung, zumal in volatilen Märkten mit saisonalen Auftragsspitzen und hoher personeller Fluktuation“, sagt Thies.

In den letzten Monaten hat auch der Flottenmanager F+SC Fleetcar + Service Community, ein Zusammenschluss von inhabergeführten VW- und Audi-Betrieben, das neue Geschäftsfeld Interimsmobilität ausgebaut. Aktuell werden 85.000 Fahrzeuge von 4.200 Großkunden an 56 Standorten betreut. „Der Bedarf ist weiter konstant anwachsend“, sagt Manfred Sensburg, operativer Geschäftsführer. Während der letzten Monate gab es in seinem Unternehmen 200 bis 250 Anmietungen pro Monat.

Als Grund für den Boom sieht er die langen Wartezeiten bei Neubestellungen und die verstärkte spontane Nachfrage der Kunden: „Die Problematik aufgrund der Lieferzeiten der Hersteller und des kurzfristig projektbezogenen Mobilitätsbedarfs vieler Kunden“ habe sich „nicht entschärft.“ 85 Prozent der Anmietungen bei F+SC sind nach eigenen Angaben Monatsmieten – auf Tages- oder Kurzzeitmieten entfallen nur 15 Prozent der Vertragsabschlüsse.

Ob CC Uni Rent, Enterprise, ALD, Car Professional Management (CPM) oder Volkswagen Leasing – viele von uns anlässlich unserer Marktübersicht zur Interimsmobilität befragten Autovermieter, Leasing- und Fuhrparkmanagementgesellschaften heben den Bedeutungsgewinn der Langzeitmiete besonders hervor. So auch Uwe Hildinger, Leiter Vertrieb und Marketing bei Alphabet: „Seit mehreren Jahren lässt sich eine klare Steigerung der Nachfrage von Langzeitmieten beobachten.“

„Aus unserer Sicht nimmt die Nachfrage nach Produkten zu, die flexibel sind und pauschal abgerechnet werden können“, bestätigt Philip Kneissler, Geschäftsführer des Mobilitätsmaklers Belmoto mit Sitz in Hamburg. Hier habe die Langzeitmiete einen klaren Vorteil gegenüber dem Leasing. Als Grund sieht er wie Sensburg die teilweise langen Lieferzeiten bei Neuwagenbestellungen. „Dadurch hat sich sicherlich auch ein großer Teil des Wachstums im Langzeitmietbereich ergeben“, vermutet Kneissler.

„Generell beobachten wir, dass die mit einem eigenen Fuhrpark verbundene Kapital- und Ressourcenbindung ein großes Thema bei Firmenkunden aller Größenordnungen ist“, sagt hingegen Markus Robrock aus dem Bereich National Sales/Business Rental Programm bei Enterprise. „Die konstant steigende Nachfrage in diesem Segment führen wir auch darauf zurück, dass sich der Mietwagen als Alternative beziehungsweise Ergänzung im Hinblick auf Flexibilität, Effizienz
und Einsparpotenzial immer weiter durchsetzt“, ergänzt der Firmenkundenspezialist.

Kostspielige Lösung | Doch im Vergleich zur monatlichen Leasingrate sind die Monatskosten für einen Langzeitmietwagen höher. Das gibt sogar einer der befragten Autovermieter offen zu und führt den höheren Preis, den die größere Flexibilität mit sich bringe, als Nachteil gegenüber dem Leasing an. Deshalb muss in jedem Einzelfall anhand vieler Faktoren geprüft werden, welche Beschaffungsform die beste ist. Eine Laufzeit bis zu zwölf Monaten gilt als lohnend für die Miete, für längere Zeiträume überwiegen die Vorteile und preislichen Konditionen des Leasings. Doch nicht immer sei die Nutzungsdauer das Zünglein an der Waage: „Ausschlaggebend für die Entscheidung zwischen Leasing und Langzeitmiete ist nicht zwingend die Mietdauer. Vielmehr hängt sie stark von der individuellen Zielsetzung des Unternehmens ab“, sagt Thomas Araman, Geschäftsführer von CPM.

„Miete lohnt sich immer dann, wenn die Möglichkeit vorhanden sein muss, das Fahrzeug vorzeitig ohne Kosten zurückgeben zu können“, so die pragmatische Empfehlung von Niko van Hoof, Account Manager Rental Services bei Athlon. Bei seiner Gesellschaft werden Leasingverträge erst ab einer Laufzeit von 18 Monaten abgeschlossen. Darunter werde ausschließlich Miete angeboten.

Als typische Mietdauer geben die Befragten überwiegend eine Zeitspanne von drei bis sechs Monaten an, Alphabet und Konzernschwester Fleetlevel+ unterscheiden zwischen einem temporären Bedarf ihrer Kunden für Projekte und Aktionen, bei dem eine zwei- bis dreimonatige Nutzung typisch sei, und der Nutzung als Interimsfahrzeuge für neue Mitarbeiter oder als Ersatz von Flottenfahrzeugen, die wegen Diebstahls oder Totalschadens ausfallen. Diese ginge üblicherweise über vier bis sechs Monate. Risikofreie Experimente | Temporäre Flottenmitglieder auf Mietbasis, die kurzfristig und ohne finanzielles Risiko zurückgegeben werden können, eignen sich auch für „Versuchsreihen“ im Unternehmen. So lässt sich vor einer längerfristigen Anschaffung via Kauf oder Leasing die Fuhrparktauglichkeit eines bestimmten Modells unverbindlich testen. „Bei den Langzeitmieten sind viele Kunden deutlich experimentierfreudiger und bestellen auch gerne alternative Marken“, sagt Kneissler. „Gerade bei Mitarbeitern in der Probezeit ergeben sich dann häufig andere Dienstwagenbestellungen“, ergänzt der Belmoto-Geschäftsführer.

Denkbar wäre auch, das Potenzial von Elektrofahrzeugen für das eigene Unternehmen auszuloten. „Gerade bei Elektrofahrzeugen sammeln unsere Kunden wichtige Erfahrungen bei gleichzeitiger überschaubarer Kostenentwicklung“, sagt Thies von Athlon. Bei ihm stehen bereits der Opel Ampera, der Mitsubishi i-MiEV und Citroën C-Zero zur Langzeitanmietung bereit – sie sollen innerhalb von 48 Stunden verfügbar sein. Diese drei Stromer haben auch die Deutsche-Bahn-Töchter DB FuhrparkService und DB Rent zur Kurz- und Langzeitmiete in ihrem Bestand, zusätzlich noch den Peugeot iON und den E-Smart. Sie seien sofort verfügbar.

Mangelware E-Mietwagen | Doch sonst lässt das Mietangebot für Elektrofahrzeuge noch sehr zu wünschen übrig: Vier von neun befragten Autovermietern haben noch gar keine Elektrofahrzeuge in der Vermietflotte, drei weitere haben ein bislang sehr regional beschränktes Angebot etabliert: hier mal ein Modell auf Sylt, dort mal ein weiteres Modell in Düsseldorf oder Frankfurt (siehe Tabelle „Elektroautos“ auf Seite 30). Bundesweite Verfügbarkeit sieht anders aus. Elektroaffine Fuhrparks werden ihre „Experimentierfreudigkeit“ derzeit also noch nicht überall ausleben können. Sie werden sich vorerst mit Testfahrten bei Händlern begnügen müssen.

Die Leasing- und Fuhrparkmanagementanbieter machen wenig konkrete Angaben zu Modellen – sofern Elektrofahrzeuge zur Miete aktuell überhaupt zur Verfügung stehen. Bei einigen gibt es sie nur im Einzelfall, also auf individuelle Anfrage. Die BMW-Tochter Alphabet hält ein solches Angebot für lohnenswert: „Wir sehen ein hohes Potenzial von Elektrofahrzeugen innerhalb von Flotten.

Wir arbeiten aktuell an einer umfassenden Lösung, die dem Kunden die zuverlässige Nutzung von Elektrofahrzeugen ermöglicht. Voraussetzungen wie die Ladeinfrastruktur müssen sich dafür allerdings flächendeckend noch verbessern“, sagt Vertriebsexperte Hildinger.

Es gibt aber auch Stimmen, die den Einsatz von Stromern als Mietfahrzeuge kritisch sehen – wegen der Akkuleistung und hohen Kosten: „Gerade in Zeiten erhöhten Mobilitätsbedarfs sind die Reichweiten von Elektrofahrzeugen noch zu gering, als dass sie bei unseren Kunden zu Mietzwecken eingesetzt werden“, sagt Karsten Rösel, Geschäftsführer der ALDAutoLeasing D. Die zu ALD Automotive gehörende Fuhrparkmanagementgesellschaft Car Professional Management bietet ebenfalls keine Stromer zur Miete an: „Gemessen an den Anschaffungskosten wären die Mietgebühren für ein Elektrofahrzeug einfach zu hoch. Und wirtschaftliche Kriterien spielen bei unseren Kunden noch immer die wichtigste Rolle“, sagt Araman.

Hochwertiges Angebot | Wer aber in seiner Interimsflotte auf konventionelle Sparmeister setzt, findet ein umfangreiches Angebot vor – mit den energieeffizientesten Motoren, die derzeit gerade am Markt verfügbar sind. Schließlich werden die Mietflotten turnusmäßig alle sechs Monate ausgetauscht. Nur selten werden Fahrzeuge vermietet, die älter als sechs Monate sind. Einige Autovermieter haben einen geringen Prozentsatz an Fahrzeugen im Einsatz, die neun bis zwölf Monate alt sind. Bei Leasinggesellschaften, die ihre Interimsvermietflotte oft mit jungen Leasingrückläufern bestücken, sind sie maximal 18 bis 24 Monate gelaufen und können bis zu 80.000 Kilometern auf dem Tacho haben (siehe Tabelle „Die Vermietflotte“ unten).

Den hohen Anforderungen der gewerblichen Kunden entsprechend sind die Mietfahrzeuge für Geschäftsfahrten gut ausgerüstet. Klimaanlage im Pkw ist heute Standard, hoch ist überwiegend auch der Anteil an Fahrzeugen mit Navigationsgerät und Bluetooth-Freisprecheinrichtung. Nicht mobil, versteht sich, sondern fest eingebaut. „Der Anspruch an individuelle Ausstattungen nimmt klar ab, da ohnehin die typischen Businessausstattungen der Fahrzeuge einen sehr guten Komfort bieten“, sagt Kneissler.

Darüber hinaus werden bei jedem Anbieter mindestens die Hälfte der eingesetzten Pkw von einem Dieselmotor angetrieben, bei Maske Fleet, Arval und Athlon ist sogar jeder Mietwagen ein Selbstzünder. Jeder vierte Pkw bei CC Uni Rent ist ein Kombi, den Höchstwert erreicht der norddeutsche Langzeitmiet-Spezialist Maske Fleet, bei dem 90 Prozent der Pkw über die geräumige Kofferraumvariante verfügen. Bei rechtzeitiger Vorausbuchung sollte also jeder Firmenkunde überall ein passendes Fahrzeug finden.

User-Chooser, die übergangsweise einen Mietwagen als Firmenwagen nutzen, dürfen mit den Extras jedoch nicht allzu wählerisch sein. So individuell nach den eigenen Vorlieben konfigurierbar wie beim Leasing sind die Interimsfahrzeuge nicht, weswegen die Fahrer sich erst einmal umgewöhnen müssen. Und wenn sie mit dem Mietobjekt vertraut sind, wird es nach 60 bis 120 Tagen ausgetauscht. Auch ein Grund, warum Mietwagen auf Dauer nicht als Motivationsinstrument taugen.

Aber das müssen sie auch nicht, denn die Wagen lassen sich bei der Langzeitmiete schnell wieder abstoßen, wenn die Wartezeit für das neue Wunschfahrzeug endlich vorbei oder die Probezeit überstanden ist. Dies ist – wie aus der Tabelle „Ein- und Ausstieg“ auf Seite 31 hervorgeht – auch bei jedem Anbieter möglich. In den meisten Fällen wird nach Erreichen der Mindestmietdauer von einem Monat taggenau abgerechnet. Das heißt, pro Tag, an dem das Fahrzeug genutzt wurde, wird ein Dreißigstel der Monatsmietrate in Rechnung gestellt. Einige Anbieter versprechen ihren Kunden eine Bestpreisgarantie. Hierbei wird geprüft, ob je nach Nutzungsdauer ein anderer Tarif am günstigsten für den Kunden ist.

Inklusivleistungen checken | Was der Mietpreis beinhaltet und was nicht, ist von Anbieter zu Anbieter sehr unterschiedlich. Deshalb lohnt sich der Vergleich. Mal kostet der Zweitfahrer extra, wenn nicht rahmenvertraglich anders fixiert, bei vielen Vermietpartnern werden dafür keine Zusatzkosten berechnet. Selten sind Winterreifen inklusive, generell sind Extras, die mit der Buchung zugesagt werden, aufpreispflichtig. Dazu gehören oft auch Navigationssysteme oder die Garantie, einen Diesel zu bekommen.

Separat berechnet werden Zustellungen und Abholungen sowie bei den Autovermietern die Anmietung an zentralen Standorten wie Bahnhöfen oder Flughäfen. Wer als Fuhrparkleiter schon öfter die Erfahrung gemacht hat, dass die Fahrer bei der Langzeitmiete mit den Freikilometern nicht hinkommen – sie betragen meist rund 4.000 Kilometer pro Monat, Abweichungen gehen aus der Tabelle „Kurz- und Langzeitmiete“ auf S. 26 hervor – sollte auch die Kosten vergleichen, die für jeden Mehrkilometer berechnet werden. Volkswagen Leasing verspricht seinen Kunden eine Toleranz von zehn Prozent. Danach dürften für mindestens 30 Tage gemietete Volkswagen-Modelle also bis zu 400 Kilometer monatlich mehr gelaufen sein, Audi-Fahrzeuge bis zu 250 Kilometer mehr. Die freie Monatslaufleistung beträgt bei den Fabrikaten aus Ingolstadt nur 2.500 Kilometer.

Die Spanne für Zusatzkilometer reicht unserer Übersicht zufolge je nach Fahrzeugkategorie am unteren Ende der Skala von 17 Cent bei Terstappen bis 21 Cent bei ALD, die obere Spanne (für größere Vehikel) von 19 Cent bei den Vermietpartnern von Arval respektive 20 Cent bei Fahrzeugen der eigenen Vermietflotte bis hin zu 66 Cent bei Sixt (siehe Tabelle „Vertragskonditionen“, S. 33).

Wie überall sonst im Leben lohnt sich also der Blick aufs „Kleingedruckte“. Wer wirklich günstig fahren will, sollte sich die Mühe machen. Denn das beste Preis-Leistungs-Verhältnis erschließt sich nicht allein aus der monatlichen Mietrate.

| Mireille Pruvost

Autoflotte | 07– 2012

2017-09-18T16:06:41+00:00